Covid-19: Was die Coronakrise Managern aufzeigt und was ein schwarzer Schwan damit zu tun hat

MMag. Dr. Peter Weixelbaumer
Strategie & Consulting, CEO Lunik2 Communication & Strategy Services

In diesen Tagen wird im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus oftmals von einem „Black Swan Ereignis“ gesprochen. Der Begriff wurde von Nassim Nicholas Taleb geprĂ€gt: Er versteht darunter ein Ereignis, das einerseits extrem selten und andererseits extrem unwahrscheinlich ist. Ein "Black Swan Ereignis" ist also in der menschlichen EinschĂ€tzung zwar theoretisch möglich, aber praktisch unmöglich. Ein Beispiel dafĂŒr fĂŒr viele bisher: die weltweite Ausbreitung eines neuen Virus.

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Tritt ein "Black Swan Ereignis" auf, finden die Menschen in der Retrospektive laut Taleb einfache und verstĂ€ndliche ErklĂ€rungen dafĂŒr. Das ist paradox, denn vor bzw. in der Krise tun sich die Menschen mit ErklĂ€rungen und richtigen Entscheidungen sehr schwer. Im Nachhinein scheint aber alles einfach und logisch.
 

Der Volksmund hat dazu flapsig seine Weisheit: „Nachher ist man immer gescheiter!“

Ich muss das Thema Coronavirus nur an mir selbst reflektieren. Als es im Dezember 2019 erstmals bei uns medial thematisiert wurde, habe ich es zur Kenntnis genommen. Daran hat sich im JĂ€nner und auch bis Mitte Februar nicht viel geĂ€ndert. Eine globale Ausbreitung, eine unmittelbare Betroffenheit in Österreich kam mir ganz offen gesagt damals nicht in den Sinn. Schon öfters wurde von Epidemien an verschiedenen Brennpunkten dieser Welt berichtet – Ebola, SARS, MERS usw. – niemals kam es aber zu einer weltweiten Ausbreitung. Das wog die Menschheit in trĂŒgerischer (Selbst)Sicherheit.

Es war Sonntag, der 23. Februar 2020. Italien meldete ĂŒber 100 COVID-19-Infizierte und 3 Tote. Da wurde mir erstmals so richtig bewusst, dass ein Tsunami auf uns zurollt, und ich begann fĂŒr meine Familie und fĂŒr mein Unternehmen die notwendigen ersten Ableitungen zu machen. Als ich am 24. Februar meinen ersten Lunik2cs-Blogbeitrag mit einem First Aid Kit fĂŒr KommunikatorInnen in den sozialen Medien platzierte, war dort das Coronavirus noch kein omniprĂ€sentes Thema und die Diskussion im Businesskontext erst wenig angekommen. Ganz im Gegensatz zum "Black Swan" Coronavirus: Der hatte in Europa schon Wochen frĂŒher Fuß gefasst – der blinde Fleck unserer persönlichen und kollektiven Erfahrungen hat ihn aber weitgehend unsichtbar gemacht. So konnte er sich lange ungehindert entwickeln und verteilen.

Doch was sind die notwendigen Ableitungen fĂŒr uns, die jetzt wichtig sind? Wie geht man mit einem "Black Swan Event" um, das mit zunehmender Wucht an Fahrt gewinnt? Vor allem als Manager? Oder kommt erst nach der Krise der von Taleb beschriebene logische Einblick bzw. Durchblick?

Dazu gibt es drei essentielle Ableitungen:

  • Volle Geschwindigkeit!

Beobachter von KatastrophenfĂ€llen berichten, dass viele Menschen in der akuten Krisensituation verlangsamt, fast apathisch agieren. So verstreicht wertvolle Zeit, die noch hĂ€tte genĂŒtzt werden können, um die Katastrophe abzuwenden, zu mildern oder auch die Wahrscheinlichkeit, ihr zu entkommen, zu erhöhen. Daher sind beim "Black Swan Event" Entscheidungs- und Umsetzungsgeschwindigkeit entscheidend, auch wenn dadurch nicht alle EventualitĂ€ten und Überlegungen in die Entscheidungsfindung einfließen können. Ziel ist es, bei aller ReaktivitĂ€t so gut es geht, in eine starke ProaktivitĂ€t zu kommen. 

  • Fokussieren Sie das große Ziel – und das mit voller Kraft!

Im lebensbedrohenden Katastrophenfall ist das persönliche große Ziel klar: ĂŒberleben! Da gibt es nichts zu ĂŒberlegen. Damit das aber gelingt, muss man – so schnell es geht – die richtigen Schritte setzen. Und dies mit voller Kraft und Konzentration. Mir fĂ€llt dazu ein GesprĂ€ch mit meinem GeschĂ€ftspartner Gerhard KĂŒrner ein. Wir sprachen ĂŒber Krisenmanagement und Gerhard goss genau dieses „das große Ziel fokussieren“ in ein Praxisbeispiel: Motorsportler trainieren Schleudersituationen so lange, bis sie automatisch ihren Blick nicht mehr in die Richtung, in die das Fahrzeug schleudert, richten, sondern genau auf jenen Punkt der Fahrbahn wie zum Beispiel eine Kurve, auf den sie mit dem Fahrzeug wieder zurĂŒckkehren wollen. Es laufen durch diese klare Konzentration auf den Zielpunkt bewusste und unbewusste Prozesse ab, die sich allesamt auf dieses Ziel fokussieren. Im Krisenfall muss wirklich alles in die Waagschale geworfen werden, um das große ĂŒbergreifende Ziel in der Krisen- bzw. Katastrophensituation zu erreichen.

  • Lassen Sie nach Teilerfolgen nicht nach – erst im Ziel sind Sie im Ziel!

Jeder kennt die Spots auf Social Media, in denen Sportler, die sich bereits als Sieger fĂŒhlen, die HĂ€nde in die Höhe reißen – und die Geschwindigkeit verlangsamen, weil sie schon im Siegestaumel sind. Und Schwupps zieht ein anderer WettkĂ€mpfer in buchstĂ€blich letzter Sekunde noch vorbei und holt sich den 1. Platz. Im "Black Swan Fall" kann das dramatische Folgen haben. Psychologisch ist alles erklĂ€rbar: Nach einer enormen Anspannung, einem exorbitanten Kraftakt hat man es eigentlich schon geschafft. Aber eben nur eigentlich, nicht wirklich. Bleiben Sie daher fokussiert und lassen Sie den Druck auf 100 Prozent, bis das große Ziel erreicht ist. Denn erst im Ziel ist man wirklich im Ziel.

Nach der BewĂ€ltigung der unmittelbaren Krisensituation sind die Entscheider mit ihren Bereichen besonders gefordert. Denn es geht einerseits darum, den Schwung der akuten Krisenlösung mitzunehmen und die Verbesserung der Situation proaktiv anzugehen. Und andererseits geht es darum, möglichst zeitnah zu analysieren, was man wie hĂ€tte besser machen können. Lernen ist angesagt, denn eine Wiederholung desselben oder eines Ă€hnlichen "Black Swan Events" will man tunlichst vermeiden. Beim Coronavirus zeigt es SĂŒdkorea vor – es hatte aus der SARS-Empidemie in den frĂŒhen 2000er Jahren, einem "Black Swan Event", gelernt.