Akutthema Lehrlingsmangel? Sorry, ein nachhaltiges Kommunikationsproblem!

MMag. Dr. Peter Weixelbaumer
Strategie & Consulting, CEO Lunik2 Communication & Strategy Services

Die Wirtschaft im DACH-Raum sucht hĂ€nderingend nach Lehrlingen bzw. Azubis – und das bereits seit vielen Jahren. Auch in der Coronazeit gibt es dazu kaum eine Entspannung. Nicht alles, aber vieles hat man als Unternehmen aber selbst in der Hand


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Der Azubi- und Lehrlingsengpass ist eine Misere. Denn Wirtschaft ohne FachkrĂ€fte funktioniert schlicht und einfach nicht. Sie spielen eine fundamentale Rolle, die nicht so mir nichts dir nichts von anderen ersetzt werden kann. Ein Grund fĂŒr den Lehrlingsmangel ist der demografische Wandel: Es drĂ€ngen seit Jahren weniger junge Menschen ins Berufsleben, gleichzeitig ĂŒberaltert unsere Gesellschaft. Doch der hartnĂ€ckige Lehrlingsmangel ist vor allem auch ein Kommunikationsproblem mit kollektiver bis betriebsindividueller AusprĂ€gung.

Hand auf’s Herz: Wann haben Sie zum letzten Mal Eltern voller Überzeugung sagen hören: „Wir wollen, dass unsere Kinder eine Lehre machen“? Und wie sieht der Lackmustest aus: Welchen Bildungspfad haben Sie fĂŒr Ihre Kinder im Kopf? Steht da eine Lehre im Mittelpunkt der Überlegungen? Eben! So lange Lehrling gedanklich mit „Loser“ gleichgesetzt wird, der eine Lehrlingsausbildung einschlagen muss, weil er einen anderen Bildungs- bzw. Berufsweg einfach nicht schafft, so lange ist das Reputationsproblem gewaltig. Denn wer will sich fĂŒr etwas entscheiden, was den vermeintlichen Misserfolg in der Lebensplanung gleich mitliefert?

Die reputative Aufwertung der Lehre und die Darstellung dessen, was sie wirklich ist, nĂ€mlich in vielen Berufsfeldern das Sprungbrett fĂŒr eine attraktive Karriere bis hin zum Ausgangspunkt fĂŒr eine erfolgreiche SelbstĂ€ndigkeit, ist somit eine wirtschafts- und letztlich gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht nur der Politik oder der Wirtschaftsinteressensvertretung ĂŒberlassen werden sollte. Vor allem ist sie ein Prozess, der Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Unternehmen brauchen Lehrlinge so wie FachkrĂ€fte aber jetzt – Corona hin oder her.

Es gibt eine Reihe von Hebeln, an denen man ansetzen muss – trotz oder gerade aufgrund des reputativen Gegenwindes, der einem mit der Lehrlingsausbildung gesellschaftlich entgegenschlĂ€gt. Hier 5 Impulse fĂŒr mehr Performance in der Lehrlingskommunikation:

  • Sinn machen, Nutzen stiften: Denken und agieren Sie zielgruppenorientiert. Es ist immer wieder beachtlich, wie einseitig Unternehmen das Lehrlingsthema rein aus ihrer eigenen (Interessens)Sicht schmackhaft machen wollen. In der Lehrlingskommunikation geht es aber nicht um Ziele und Nutzen des Unternehmens, sondern um Ziele und Nutzen der (potentiellen) Lehrlinge!
     
  • Was macht Lehre besser als andere Ausbildungs- und Berufsmodelle? Was im Marketing alltĂ€glich ist, soll in der HR-Kommunikation plötzlich nicht mehr gelten: das Herausarbeiten der Unique Selling Proposition, des USP, des komparativen Konkurrenzvorteils? Auch in der Lehrlingskommunikation gilt: Profil (auf)zeigen!
     
  • Seien Sie dort, wo Ihre Zielgruppe ist: Der Printbericht ĂŒber die tolle Lehrlingsausbildung in Ihrem Unternehmen ist nett, nur er wird von der Kernzielgruppe nicht wahrgenommen. Aber richtig eingesetzt macht er Sinn, denn Sie erreichen damit Eltern, vor allem aber Großeltern. Und die sind bei der Berufsauswahl Ihrer Kinder bzw. Enkelkinder wichtige Meinungsbildner. FĂŒr die Kernzielgruppe fĂŒhrt aber an digitaler Kommunikation kein Weg vorbei – vor allem an Snapchat und tiktok! Mobile first ist selbstredend.
     
  • Glauben Sie an die Kraft der BeweisfĂŒhrung: Vermitteln Sie nicht nur den Eindruck, dass eine Lehrlingsausbildung in Ihrem Unternehmen top ist, Spaß macht, Perspektiven bringt und Potentiale fördert. Untermauern Sie das auch mit Menschen, Karrieren und Stories aus Ihrem Unternehmen.
     
  • Employer Branding ist Beziehungsarbeit: Die Entscheidung fĂŒr eine Lehrlingsausbildung in einem Unternehmen ist so wie jede Jobentscheidung nichts anderes als die Entscheidung einer Lebensabschnittspartnerschaft. Denken Sie also in HR-Themen immer ĂŒber den unmittelbar vakanten Job hinaus. Denn Beziehung umfasst viel mehr als eine zeitlich oder inhaltlich punktuelle Thematik.

Wenn Sie Anregungen oder Fragen zu diesem spannenden und wichtigen Thema haben, dann kontaktieren Sie mich: peter.weixelbaumer@lunik2.com.