Kommunikation in der Krise: Fakt oder Fake in Zeiten der Coronakrise

Verena Schwarzinger
Senior Content Managerin

Wir wirklich ist die Wirklichkeit, fragte schon der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. Das gilt auch fĂŒr viele Informationen, die aktuell im World Wide Web zum Coronavirus platziert und geteilt werden: Mit Schmerzmitteln aus der Apotheke gibt man dem Coronavirus keine Chance! (Hm?) Alkoholkonsum hilft, sich gegen Corona zu schĂŒtzen! (Juhu!!) Aber auch Knoblauch hilft. (Pfui!) Oder einfach nur viel Wasser trinken. (BĂ€h!) Oder ganz viel Vitamin C. (na ja
) Und ĂŒberhaupt: Die Coronakrise ist ja nur eine Pseudo-Krise. (Eben!) Ein Blick in den Fakten- und Fake-Dschungel.

@ pixabay

Fake News, also schlicht falsche, irrefĂŒhrende Meldungen, gibt es wohl, seit es zwischenmenschliche Kommunikation gibt. Aber erst der Aufschwung der digitalen Kommunikation schuf fĂŒr Fake News ungeahnte Möglichkeiten. Denn durch die sozialen Medien wird jeder User selbst einfach zum breitenwirksamen Sender und Vermittler.

Fake News haben viele Formen: es können kurze Postings sein oder umfassende Artikel, die auf QualitÀtsmedium oder wissenschaftlichen Text machen, VideobeitrÀge, bearbeitete Fotos u.v.m.

Doch warum?
Die Ziele sind wie die Hinterfrauen bzw. -mÀnner meist rÀtselhaft und keineswegs verstÀndlich. Manchmal ist es schlicht Unwissenheit oder FehleinschÀtzung, in den allermeisten FÀllen steckt jedoch Methode dahinter.

Zum Beispiel:

  • Der eigene Geltungsdrang wird durch schrilles und falsches Posaunen von Fake News ins virtuelle Universum und mit viel Zuspruch einer Community weiter geschĂŒrt.  
  • Eine gezielte Kommunikationsstrategie wird angestrebt, um sich mit einer – wenn auch objektiv falschen – Antithese zu positionieren und damit Bekanntheit und (wenn auch zweifelhafte) Reputation in der eigenen Community zu pushen
  • Oder um Menschen gezielt zu desinformieren, zu verunsichern, Systeme zu destabilisieren und Verhaltensweisen zu beeinflussen. 

Was haben Fake News nun mit Corona zu tun?

Diese oben genannten Motive werden in den meisten FĂ€llen auch hinter den Fake News zum Coronavirus zu finden sein. Liest man doch davon, dass es die Coronakrise ja gar nicht gibt. Dass dunkle MĂ€chte das Virus in einem Labor in Wuhan entwickelt und dann freigesetzt hĂ€tten. Dass es die Rache Chinas an Amerika sei. Andere wieder sagen, Amerika wĂŒrde im Windschatten der Coronakrise militĂ€risch in Europa einmarschieren. Wiederum andere behaupten, das Virus sei absolut ungefĂ€hrlich oder höchstens so wie eine Grippe, man mĂŒsse eigentlich gar nichts tun. Dann liest man davon, dass Vitamin C, Knoblauch und Alkohol dem Virus den Garaus machen. Ganz viel Wasser trinken, spĂŒlt den Virus weg, behaupten wiederum andere.

Die Urheber von Fake News und diejenigen, die unreflektiert diese in ihren sozialen KanĂ€len teilen und durch bestĂ€rkende Kommentare noch weiter pushen, sind tatkrĂ€ftig bei der Sache. Sie verbreiten ebenso eine Infektion, eine Infektion an falschen, verunsichernden, manipulierenden Inhalten und machen sich so zu Werkzeugen der Fake News Produzenten.

Was ist zu tun?

Niemand kann sich auf News in den sozialen Medien verlassen. Denn Facebook, Twitter und Co. ĂŒberprĂŒfen nicht auf ValiditĂ€t. Ob eine gepostete Geschichte stimmt oder nicht, ob sie satirisch gemeint ist oder darauf abzielt, Hass und Angst zu verbreiten, wird in der Regel nicht von den Algorithmen der Netzwerke erkannt.

FĂŒr die aktuelle Krisensituation wurde von der Bundesregierung ein „digitaler Krisenstab“ eingerichtet, der Falschmeldungen im Netz aufspĂŒren und richtigstellen soll. Ähnliches passiert auf EU-Ebene. Das sind wichtige Initiativen, doch schlussendlich liegt die QualitĂ€tskontrolle beim User selbst, beim Konsumenten des Contents.

  • Es beginnt bereits bei den Kleinsten. In ihrem Umfeld sollten valide Infos und Transparenz vorgelebt und gezeigt werden. Wenn Eltern alternative Fakten leben und es selbst mit dem Wahrheitsgehalt nicht so ernst nehmen, dann wird der Nachwuchs spĂ€ter Fake News entweder gar nicht erkennen oder als nicht wirklich schlimm wahrnehmen.
     
  • Medienkompetenz in der Schule: Der kritische Umgang mit Medien und Informationen muss ebenso gelernt werden wie lesen, schreiben und rechnen. Werden Kinder bereits in jungen Jahren sensibilisiert, ist ein eloquenter Umgang auch im Erwachsenenalter ein Leichtes. Bildung ist ohnehin ein wesentliches Mittel gegen Fake News.
     
  • In der InformationsĂŒberflutung, die uns tĂ€glich umgibt, braucht es selbststĂ€ndige PlausibilitĂ€tsprĂŒfungen: Macht es Sinn, was da zu lesen/sehen/hören ist? Passt das in den Informationsrahmen, den man zu einem Thema hat? Wer ist der Absender der Botschaft? Ist dies ein Experte zum Thema?
     
  • Nachweise: Wie sieht es mit den Quellen aus? Sind welche genannt? Gibt es diese Quellen ĂŒberhaupt? Findet man die Inhalte auch beim Gegencheck im Originalumfeld dieser Quellen?
     
  • Achten Sie auf den Stil: Fake News werden oftmals auffĂ€llig inhaltlich aufgepeppt. Oftmals sind SĂ€tze ziemlich lose aneinandergereiht. Wie ist die Infodichte? Fehlen wichtige Details oder wird etwas nicht prĂ€zise benannt? Und ja, die Sache mit der Rechtschreibung: Oftmals deuten Rechtschreib- bzw. Übersetzungsfehler vermehrt auf eine Falschmeldung hin.
     
  • Zivilcourage ist auch hier gefragt: Wenn Sie Fake News entdecken, dann machen Sie einen kurzen Kommentar dazu: Das sind Fake News! Oder: Hoax! Dies trĂ€gt zur Informations- und QualitĂ€tshygiene bei.
     
  • Und nicht zuletzt: Setzen Sie auf QualitĂ€tsmedien. Dort können Sie mit hoher Sicherheit von validen, gut recherchierten und geprĂŒften Informationen ausgehen.